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Seniorenbeirat Wustrow
Ostseebad Wustrow auf dem Fischland
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ANMERKUNGEN
eingestellt am 15.02.2018
Fundstück 40
Helmut Seibt, Februar 2018
Wenn auch in diesem Jahr ein „richtiger“ Winter (noch) auf sich warten lässt, hat man wenigstens beim Lesen dieses Fundstücks einen solchen zum Greifen nah. War er in früheren Zeiten wirklich häufiger? Das ganze Fundstück ist heute schon ein Rückblick auf das Leben in anderen Zeiten. Käthe Miethe schreibt über den Winter des Jahres 1941 und erinnert mit einer Bemerkung über ihr Sparen von Kohlen an den Winter des Vorjahres, der offenbar strenger war. Dabei wird ihr aber eine weitere Steigerung erst noch bevorstehen, ein noch kälterer Winter – der 1942-er Winter. Darüber hat sich in unserer Familie die Erzählung erhalten, dass Ende Januar 1942 zur Geburt meiner Schwägerin der Hebamme erst in der Kurve am Feuerwehrschuppen in Althagen über eine große Schneewehe geholfen werden musste, ehe sie bis zur Hufe V gelangen konnte. Die letzte Blockade unseres modernen Verkehrs durch Schneewehen ist auf dem Fischland auch schon 40 Jahre her. In den 1940-er Jahren musste das Haus dem Winter jeden Morgen erst neu entrissen werden, lesen wir. Was Käthe Miethe darüber schreibt, ist heute nur noch schwer nachvollziehbar. Der Frost war nicht nur draußen, er war auch im Haus. Die Wände waren gefroren, das Wasser, die Seife festgefroren, die Handtücher steif usw. Heute muss in der Regel nicht mehr selbst geheizt werden, das Raumklima in den Häusern lässt sich inzwischen automatisch regeln. Haben wir es gut! Gut? Wie man es nimmt. Die „Orgie des Winters“, die in einem kleinen Haus beginnt, wie Käthe Miethe schreibt, müssen wir uns ja nicht unbedingt zurück ins Haus wünschen. Das Leben mit und in den einzelnen Jahreszeiten ist uns aber inzwischen besonders im Winter abhandengekommen, Abhärtungen sind uns oft entglitten, Krankheiten haben oft einen einfacheren Zutritt erhalten. Das Winterglück spüren wir aber wohl auch heute doch noch deutlicher hier auf dem Lande als in der Stadt. Ob aber der Winter „an Herrlichkeit den Sommer überholt“, dürfte strittig bleiben, zumal die Erderwärmung auch in unseren Breiten schon dabei ist einiges umzumodeln. Ein klarer Wintermorgen mit viel Schnee, Frost, Eis und Wind - ein solches Wintermärchen ist einfach schön.