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eingestellt am 15.03.2019
Fundstück 54
Helmut Seibt, März 2019
Wenige Stunden, nachdem der Künder und Sammler des mecklenburgischen Volkstums im alten Schloß (1) in Waren die Augen für immer geschlossen hat, standen im weiten Umkreis seiner Stadt die Flaggen auf Halbstock und trugen die Kunde über das Land, daß dem mecklenburgischen Gau ein Vater gestorben ist, in dessen Händen das Erbe dieses Stammes gesammelt wurde, um breit wieder hinaus in das Volk zu strömen. Richard Wossidlo beging am 26. Januar seinen 80. Geburtstag. Ein körperlich kranker, von strengster Erfüllung der selbstgestellten Aufgabe erschöpfter Mann. Dem zu diesem Tag erschienenen ersten Band des Volksbuches der mecklenburgischen Sagen (2) setzte das Kuratorium der Wossidlo-Stiftung den Dank an den Forscher voran, der Krankheit und Alter immer aufs neue überwand, um mit diesem Buch vorbildlich den Weg für die weitere Entwicklung des Werkes festzulegen. Jetzt steht die Veröffentlichung des nächsten Bandes vor der Tür. In absehbarer Zeit wird das von großer Erwartung getragene Buch der mecklenburgischen Volksüberlieferungen aus dem Bereich der Seemannssprache (3) folgen. Richard Wossidlo hat sein Lebenswerk weit über seine eigene Lebenszeit hinaus besorgt. Aus seinen Archiven und Sammlungen wird noch auf viele Jahre der Reichtum zurück in das Volk gehen, den er dem Volk abgelauscht hat, um ihn zu erhalten und seinem Stamme immer neu zum Bewußtsein zu bringen. Richard Wossidlo stammt aus einem im masurischen Land eingesessenen Geschlecht deutsch- böhmischer Siedler, das vor 200 Jahren über Pommern den Weg nach Mecklenburg fand. Er wurde auf einem Hof bei Tessin (4) geboren, besuchte das Gymnasium in Rostock, wo er als Student der Altphilologie begann, um bereits während seiner Studienzeit den Weg zur Gegenwart, zur Heimat, zur Volkskunde zu finden. Er wirkte als Gymnasiallehrer in Wismar und Waren und hat das Schulamt nie verlassen, weil er sich dort an einer der Quellen fühlte, wo ihm Wesen und Art, Sprache und Denkgut des Volks am nächsten blieben.
Anmerkungen:
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(1) Vgl. Käthe Miethe: Bericht vom Besuch bei Wossidlo, Fundstück 53 (2) Mecklenburgische Sagen. Ein Volksbuch. 2 Bände. Rostock, 1939 (3) Reise, Quartier, in Gottesnaam. Das Seemannsleben auf den alten Segelschiffen im Munde alter Fahrensleute. Band 1:      Rostock 1940, Band 2: Rostock 1943; 7. Auflage: Hinstorff-Verlag, Rostock 1959. (4) Friedrichshof ist heute eine Wüstung und gehört im Landkreis Rostock zur Gemeinde Walkendorf, die vom Amt Gnoien      verwaltet wird