Kontakt, Gästebuch Impressum
Seniorenbeirat Wustrow
Ostseebad Wustrow auf dem Fischland
Start Wir über uns monatl. Veranstaltungen Öffentlichkeitsarbeit Archiv Aus Käthe Miethes Feder
ANMERKUNGEN
eingestellt am 15.09.2018
Fundstück 48
Helmut Seibt, September 2018
Die bisher als Quelle leider nicht angebbare Zeitung (s. „Aus Käthe Miethes Feder, Fundstück 48“) hat den Beitrag mit „Neue Nachrichten aus seinem Leben“ untertitelt. Da uns der Beitrag offensichtlich nicht in ganzer Länge vorliegt (s.o.), sind die „neuen Nachrichten“ wohl unvollständig. Es läßt sich auch kaum feststellen, was für den deutschen Leser Mitte Mai 1927 wirklich neu ist. Damit müssen wir erst einmal leben. Mit Hamsun (1859-1952) haben sich schon zu dessen Lebzeiten Literaturwissenschaftler beschäftigt, wenn auch nicht viele. Käthe Miethe nennt als erste größere Arbeit über Hamsun eine Arbeit von Carl Morburger von 1910. Gemeint ist „Knut Hamsun. Eine literarische und psychologische Studie“, Xenien- Verlag Leipzig. Das Buch von Carl David Markus, das Käthe Miethe als erste größere Schrift über Hamsun bezeichnet, ist 1926 bei Fahlcrantz & Co in Stockholm erschienen. Vorher gab es die Arbeit „Knut Hamsun“ von Sigurd Hoel von 1920, die der Olaf Norlis Forlag in Kristiania, dem heutige Olso herausbrachte. Wenn ein Volk seine Dichter selbst liest und weniger Werke über sie, so kann man Käthe Miethe durchaus auch heute noch zustimmen, wenn sie von einer „glücklichen Lage“ spricht. So erklärt sie sich, dass sich die Norweger noch zu wenig mit dem Dichter selbst beschäftigt haben. Auf eine andere Sache, die wir heute in Dimensionen erleben, die man sich damals wohl noch nicht so recht vorstellen konnte, kommt Käthe Miethe in diesem Zusammenhang auch noch zu sprechen – sie nennt es Personenkult, womit sie Interviews und Personalnachrichten meint, die in der Tagespresse einen „unerhört großen Raum“ einnehmen. Dafür sei das Interesse groß und die Tagespresse befeuere es förmlich, so dass sich Dichter vor dem öffentlichen Interesse förmlich verschließen. Neben Hamsun führt Käthe Miethe auch die Unnahbarkeit von Sigrid Undset (1882-1949) an, die 8 Jahre nach Hamsun 1928 für ihren dreibändigen Roman „Kristin Lavranstochter“ den Literaturnobelpreis erhielt. Für Hamsun sieht Käthe Miethe für dessen Zurückgezogenheit noch einen anderen Grund. Die Abwehr gegen Neugier erklärt sie sich aus Hamsuns innerem Wesen, das auch in seinem Werk erkennbar sei. Seine ersten Bücher waren stark persönlich geprägt, enthielten viel persönlich Erlebtes, sie zeigten sein „eigenes Wesen und seine Stellung zur Welt“. Später wird ihm das bedeutungslos. Nun sucht er „das große Geheimnis …, das Leben und Menschenschicksal und Menschenwesen birgt“. Dazu äußerte er sich auch mit dem Credo „Meine Arbeiten gehen die Öffentlichkeit an, mein Privatleben scheint mir dagegen allzu geringes Interesse für die Menschen zu haben“ in einem Gespräch mit John Landquist (1881-1974), einem schwedischen Schriftsteller und Literaturkritiker, dessen Hamsun-Biographie „Knut Hamsun. Sein Leben und sein Werk“ 1917 erschien. Die deutsche Übersetzung kam zehn Jahre später in Tübingen heraus. Zwei Jahre nach Käthe Miethes Beitrag versammelt 1929 eine Festschrift zu Hamsuns 70. Geburtstag eine Vielzahl weltbekannter Kollegen als Gratulanten, die sein bis dahin vorliegendes Werk kritisch würdigen und ihn als einen Dichter ehren, dessen Bücher in aller Welt gelesen werden. Darunter sind Maxim Gorki, Gerhart Hauptmann, Alexandra Kollontai, Heinrich Mann, Thomas Mann, Stefan Zweig. Neben aufrichtiger Bewunderung spricht auch schon damals aus einigen Beiträgen ein deutliches Unbehagen über seine gesellschaftlichen und politischen Ansichten.