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ANMERKUNGEN
eingestellt am 16.06.2018
Fundstück 45
Helmut Seibt, Juni 2018
Käthe Miethe schreibt hier in der Deutschen Allgemeinen Zeitung – im Jahre 1934 - über die Nachbarn der Althäger Büdnerei 10, die ihr Vater 1901 für die Familie zur Sommerfrische gekauft hatte. Vorher hatte sie bereits 1927 – ebenfalls in der DAZ - in „Eigenes Haus“ über ihre Büdnerei 54 geschrieben, die ihr der Vater 1916 gekauft hatte. In die Reihe „Aus Käthe Miethes Feder“ habe ich diesen Beitrag über ihre B 54 als Fundstück 17 aufgenommen. Bei Käthe Miethe findet später in „Geschichte meines kleinen Hauses“, dem ersten Teil ihres Buches „Unterm eigenen Dach“, die B 54 eine umfassende Darstellung. Die 1. Auflage davon erschien 1949 im Petermänken-Verlag Schwerin, illustriert hat sie Herbert Bartholomäus. Zurück zum heutigen Fundstück. Hausnachbar war in der B 11 Vadding Voß. Hans Heinrich Niclas Voß (1839-1921) war seit 1870 in 2. Ehe mit Johanna Sophia Dorothea Voß, geb. Höppner (1849-1928), verheiratet, nachdem 1868 seine erste Frau Anna Maria Trien Voß, ebenfalls geb. Höppner, verstorben war. Die beiden Frauen waren Cousinen. Familie Voß wohnte mit sieben Kindern und den Eltern der ersten Ehefrau in den drei Zimmern der B 11, d.h. zeitweise waren das 11 Personen. Einst waren die B 10 und B 11 Doppelbüdnereien. Ihre gesamte Geschichte lässt sich ausführlich in dem vorzüglichen Buch „Althagen auf dem Fischland – Bewohner und Häuser zwischen gestern und heute“ von W. und G.Viergutz und P. Dillwitz nachlesen, dessen 1. Auflage von 2012 leider vergriffen ist, von dem aber bald eine Neuauflage greifbar sein wird. Wie Miethes zu ihrer Büdnerei gekommen sind, ist gut dokumentiert und an mehreren Stellen nachlesbar. Am ausführlichsten hat darüber Marie Miethe, die Mutter von Käthe Miethe, berichtet. Heinrich Schlotermann gab schließlich den entscheidenden Tipp, er hatte schon 1897 die B 9 erworben. Schlotermann war Maler und mit Miethe befreundet. Mit Vadding und Mudding Voß wuchs Käthe Miethe auf, sie kam ja als Achtjährige nach Althagen. Das ländliche Leben war völlig neu für sie. 1901 war die B 10 eine zugewachsene Ruine mit eingefallenem Dach, sie musste von Grund auf erneuert werden. Im Februar 1900 war die Besitzerin gestorben, 1901 kam die Büdnerei nach einer Zwangsversteigerung in den Besitz des Sparkassenvereins Wustrow, von dem sie Miethe mit Vertrag vom 4. Oktober 1901 für 800 Mark kauft. Um- und Ausbau wurden sofort in Auftrag gegeben, sodass die Familie bereits im Folgejahr zur Sommerfrische nach Althagen fahren konnte. Für den alten Seemann Voß und dessen Frau zogen ins Nachbarhaus gar seltsame Menschen ein, die aus der Großstadt kamen und für den Winter auch wieder dorthin zurückkehrten. Für diese Zeit wurde die „häusliche Nachbarschaft“ übernommen, wie Käthe Miethe schreibt. Diese Aufgabe erfüllten die Voßens über Jahre umsichtig und offenbar auch zur vollsten Zufriedenheit, wie man aus zahlreichen Mietheschen Briefen erfahren kann. Im Sommer nahmen sie sich auch liebevoll der Kinder an, die bei Inge und Käthe fast zu Ersatz-Großeltern wurden. Aus dem Rückblick auf diese frühen Jahre schreibt Käthe Miethe 1934, dass inzwischen im Dorf solche Hausnachbarschaften an vielen Stellen üblich geworden sind und es hätte „in den langen Jahrzehnten immer nur Treue um Treue zwischen ihnen gegeben“. Der „einzige schwarze Tag im Jahr“ sei immer nur der der endgültigen Rückkehr in die Stadt.