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ANMERKUNGEN
eingestellt am 14.12.2017
Fundstück 39
Helmut Seibt, Dezember 2017
Sucht man bei Käthe Miethe nach weihnachtlichen Texten, wird man an unterschiedlichen Stellen fündig. Bisher waren es stets kleine Arbeiten aus dem Feuilleton deutscher Zeitungen, die hier bereits in den Fundstücken 14, 15, 16 und 27 „weihnachtsnah“ vorgestellt wurden. Das heutige Fundstück stammt aus einem Manuskript, das bisher in seiner Gänze noch nicht gedruckt erschienen ist. Eine etwas längere Passage daraus habe ich 2007 für „Damals in Althagen“ verwendet. Die Potsdamer Großeltern väterlicherseits waren für die beiden Enkelinnen Käthe und Inge von Berlin aus, wo die Familie seit 1899 wohnte, schnell zu erreichen, ganz im Gegensatz zu den Großeltern mütterlicherseits im Thüringischen. Der Großvater Friedrich Albert Miethe (1830 – 1916) hatte seine Schokoladenfabrik schon vor Jahren verkauft (Halloren Halle firmieren heute als die älteste deutsche Schokoladenfabrik und wiesen bei ihrer 200-Jahr-Feier 2004 auf die seinerzeitige Gründung 1804 durch Friedrich August Miethe (1753-1827) hin, der aus Zerbst stammte und seit 1786 „Pfefferküchler in Neumarkt an Halle“ war, den Ur-Urgroßvater von Käthe Miethe. Ein Text auf der Hallorenkugel-Schachtel erinnert heute noch daran). In Potsdam hatte der Großvater seine Fabrik Am Schloß 1, neben der Langen Brücke. Dort wurde auch Käthe Miethes Vater (1862 – 1927) geboren. Später musste das Haus einem Hotelneubau weichen, dem Palasthotel. Die Straße, die heutige Humboldtstraße, ist inzwischen vollständig wiederaufgebaut. Die alte Bittschriftenlinde, die vor dem Haus Nr. 1 an der südlichen Ecke des Schlosses stand, ist durch eine neue, zweite Linde ersetzt. Früher konnte man dort Bittschriften an die preußischen Könige übergeben oder an den Baum hängen, heute kann man sich an der Linde mittels Barcode über ein Mobiltelefon mit dem Petitionsausschuss des Landtages verbinden lassen. Die Großeltern blieben in der Stadt, der Großvater lebte nun als Privatier, war im Vorstand eines Geldinstituts tätig, wurde Stadtrat, zeitweise war er Stadtältester. Frau Stadtrat, die Großmutter Karoline Miethe, geb. Goedekind (1834 – 1913), nutzte ihre Zeit unter anderem um sich schriftstellerisch zu betätigen. In verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften publizierte sie unter ihrem eigenen Namen kleinere Geschichten, manchmal schrieb sie auch unter dem Pseudonym C. Thieme. 1894 erschien von ihr „Axenstein“, eine Doppelnovelle. Mit der Namenswahl Großmutter und Großmütterchen für die beiden Großmütter macht Käthe Miethe auf kürzeste Weise Meinung und Stellung deutlich, die sie – wohl auch mit ihrer Schwester – zu diesen Verwandten hat. Liest man die Erinnerungen ihrer Mutter „Meine Erinnerungen an Heimat, Elternhaus, Kinderjahre“ und „Eignes Leben. Als wir uns kennen lernten“, die sich ebenfalls als Manuskript erhalten haben“, oder die „Lebenserinnerungen“ ihres Vaters, die seit 2012 gedruckt vorliegen (ISBN 978-3-944913-37-7; im Buch wird eine andere ISBN-Nummer angegeben, die sich wegen der Erlöschung des ursprünglichen Verlages nun ändern musste), verstärkt sich dieser Eindruck. In Sachsa, seit 1905 Bad Sachsa, lebte Käthe Miethes „Großmütterchen“ Auguste Christiane Müller, geb. Felber (1827 – 1904), die aus Teistungenburg stammte, wo ihr Vater in der vierten Generation Rittergutsbesitzer war und die 1844 Christian Friedrich Müller (1817 – 1895), den Sohn eines Tuchfabrikanten aus Mühlhausen, heiratete, der in Greifswald Land- und Forstwirtschaft studiert hatte, beim Militär als Leutnant diente und seit 1839 das Rittergut Ascherode am Südharz besaß, das verfallene Herrenhaus abreißen ließ und neu errichtete, dann aber nach 1880 verkaufte, worauf er mit der Familie nach Sachsa zog. „Großmütterchen“ hatte 13 Kinder, Käthes Mutter Anna Ida Marie (1866 – 1946) war das zwölfte. Die jüngste Schwester Sofie von Käthes Großmutter war mit einem Offizier von Westernhagen verheiratet, deren Tochter Ida Käthes Patentante wurde. In Sachsa lernte Adolf Miethe, der damals in Göttingen studierte, während eines Besuchs bei seinen Eltern, die sich bei Familie Müller eingemietet hatten, Marie als Tochter des Hauses kennen. Sie wurden ein Paar und heirateten 1890 in Sachsa. Gut und Kloster Teistungenburg fielen der Grenzsicherung seitens der DDR zum Opfer, es haben sich nur Reste der Klostermauer erhalten. Das Gut Ascherode hat den zweiten Weltkrieg bis auf wenige Gebäudeteile nicht überlebt, das Gutshaus steht nicht mehr.