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Seniorenbeirat Wustrow
Ostseebad Wustrow auf dem Fischland
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eingestellt:  23.09.2017
Wer warst Du?
Der letzte Gang über den Wustrower Friedhof, dem Ulla Freitag,  eine der schönsten Seemänner- und Künstler-Ruhestätte, in ihren Schriften ein Denkmal setzte, liegt schon geraume Zeit zurück. Unter den vielen grauen Steinen, auf denen kaum noch Inschriften zu sehen sind, fiel mir immer der auf, auf dem ungewöhnliche, fremdartige Schriftzüge zu lesen waren. Hier noch gut erhalten scheint eins der vielen Schicksale seiner Zeit vorhanden zu sein.
Der Grabstein im Juli 1996 (Foto Günther Weihmann)
Der im Stein eingefräste Name: Alekos Gugutudis (1933-1953) verlangte darüber nachzudenken. Ein Zwanzigjähriger fand seine letzte Ruhestätte auf dem Fischländer kommunalen Friedhof. Ich zweifelte nicht an den Worten - ein Grieche. Was könnte der Grund seines Aufenthalts, die Ursache seines Todes gewesen sein? Fragen über Fragen! Diese konnten  seit 1997 nicht beantwortet werden, so blieb die Geschichte weiterhin im Dunkeln. Wäre da nicht am 10. Juli 2002 in der OSTSEE-ZEITUNG eine bezügliche Veröffentlichung durch Bernd Hinkeldey gewesen. Die Nachfrage beim Standesamt ergab aber lediglich den Nachweis einer 1953 erfolgten Beerdigung.     Am 11. Juli 2002 erfolgte ein Gespräch mit Frau Ilse Ehrich (verwitwet), geborene Voß, die zur Zeit der Befragung in der Neuen Straße Nr. 29 wohnte. Nach meiner Anfrage zu eventuellen Angaben ergab sich folgende Schilderung ihrerseits: " Ich habe den gestrigen Artikel gelesen und kann Dir zu dem Bild und den Griechen sagen. 1953, im September, war ich mit anderen Wustrower Mädchen baden gewesen. Dabei haben wir 10 - 15 junge giechische Männer kennengelernt, [...] Waren altersmäßig zwischen 18 und 22 Jahren, in Wustrow zur Erholung, kamen aus dem Ruhlaer Uhrenwerk in Thüringen. Beim gemeinsamen Baden sei einer der Jungen durch die Brandung an die Buhne geschlagen worden und untergegangen. Trotz des Suchens der Anderen wurde er nicht wieder gefunden. Tage später trieb er am Weststrand von Prerow an und kam zur Bestattung nach Wustrow." Über die Behördengänge bis zur Gestellung des Grabsteines in Wustrow konnten damals bis heute keine Angaben ermittelt werden. 1953, ein in der DDR durchaus politisch bedeutsames Jahr, in Griechenland tobte seit Jahren ein fürchterlicher Bürgerkrieg. Ruhlaer Uhrenfabrik - in der DDR ein international hervorragender Produzent von Uhren. Leider konnten über dortige Einrichtungen und Personen keine Zeitzeugen gefunden werden, außer der Hinweis des Museums 2003 über die Existenz eines "Kombinats Roter Griechen" in Sachsen, in Radebeul! Meine Anfrage dort ergab die Bestätigung eines "Kombinats Freies Griechenland". Um 800 Mitglieder soll die Organisation, für die die Stadt hinsichtlich der Versorgung mit Wohnraum, die schulische und berufliche Ausbildung verantwortlich gewesen sei, umfassen.   Zwischenzeitlich wurde 2006 die Botschaft der Republik Griechenland in der BRD angeschrieben, der Sachverhalt geschildert. Leider wurde einer Antwort bis heute keine Zeit gelassen. Wenn ich die Ereignisse politsch analysiere verwundert mich das nicht.
Eine Fortsetzung kann erfolgen. 21.September 2017 Günther Weihmann